Die Stipendiaten der Villa Romana 2018 stehen fest

Der älteste deutsche Kunstpreis, der Villa Romana-Preis, gibt Künstlerinnen und Künstlern, die in Deutschland leben, die Möglichkeit, sich während eines zehnmonatigen Aufenthalts (jeweils vom 1. Februar bis zum 30. November eines Jahres) in Florenz künstlerisch weiterzuentwickeln. Das Künstlerhaus Villa Romana nimmt jährlich vier Preisträgerinnen und Preisträger auf, bei denen es sich im Jahr 2018 um die folgenden handelt: Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi und Viron Erol Vert.Neben dem monatlichen Stipendium in Höhe von 1.500 € steht den Künstlern nicht nur eine eingerichtete Wohnung zur Verfügung, sondern auch ein eigenes Atelier, in dem sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

Wir sind begeistert von diesem Konzept und möchten Euch nun die diesjährigen Stipendiaten vorstellen:

Jeewi Lee – Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit

Jeewi Lee – ‚PAST TENSE’ (2016) Traces on used Hanji paper floor, framed (oak)

Der im Jahr 1987 in Südkorea geborene Künstler lebt und arbeitet in Berlin und Seoul. Lee beschreibt auf seiner Website nicht nur seine Arbeit sehr genau und präzise, sondern ebenso Assoziationen oder bestimmte Bilder, die der Betrachter beim Anblick seiner Kunstwerke im Kopf haben wird bzw. dort erzeugt werden sollen. Sein Ziel ist es, die Fantasie, Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft des Betrachters konstant zu wecken und zu fordern. Seine Arbeit sei „Interaktion in Erscheinung, durch welche Alltagsspuren, die nicht wahrgenommen werden oder für das Auge unsichtbar sind, zum allgegenwärtigen Motiv werden“. Durch das in den Vordergrund treten der Sichtbarkeit bzw. der Unsichtbarkeit möchte er die visuelle Wahrnehmung des urbanen Menschen in Frage stellen. Diese Antithetik und kreative Umsetzung des Deutsch-Koreaners gefällt uns sehr gut und wir sind gespannt auf seine künftige künstlerische Entwicklung!

 

Christophe Ndabananiye – ‚Kutembeya II’ (2016)
Mischtechnik auf Papier

Christophe Ndabananiye – Auf Spurensuche

Der ursprünglich aus Afrika stammende Künstler wurde 1977 geboren und lebt seit 2009 in seiner Wahlheimat Berlin.

Die „Spuren der Vergangenheit“, wie Ndabananiye sie beschreibt, stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Genauso wie die Auseinandersetzung mit verblassten Erinnerungen und das erneute Auflebenlassen dieser sowie diese wieder in der Gegenwart sichtbar werden zu lassen.Ein anderer Schwerpunkt stellt die Diskussion mit seiner Herkunft aus einer anderen Kultur dar, denn Christophe wurde im Kongo geboren und wuchs in Ruanda auf. Die Frage nach Identität und die Geschichte dieser Kulturen steht ebenso im Fokus.

 

Lerato Shadi – ‚MOSAKO WA NAKO’ National Arts Festival, Grahamstown (2016)

Lerato Shadi – Heimat und Herkunft

Als einzige Frau der vier Gewinner handelt es sich um die im Jahr 1979 geborene südafrikanische Performance- und Videokünstlerin Lerato Shadi, die zurzeit in Berlin und Johannesburg lebt.

Der Grundstein ihrer Arbeit besteht aus dem thematischen Gegensatz der individuellen Definition des „Zuhauses“ und im Kontrast dazu, den Orten, an denen man sich niemals selbst wohnen sehen würde. Doch wie bestimmt man ein solches Gefühl von Zuhause, Identität und Herkunft?
Dieser Konflikt bezieht sich laut Shadi nicht nur auf unsere Körper, sondern vielmehr noch auf die Psyche: Was beeinflusst unsere Gefühle? Sind es Erinnerungen oder Traumata, die uns bewegen? All das bezogen auf Shadis persönliche Herkunft, führt bei ihr zu der Frage, ob es für Künstler, die an der Scheide zwischen eigener Historie bzw. Herkunft und neuen kulturellen Werten stehen, zu einer Verpflichtung wird alles aufzuschreiben und zu archivieren, wenn diese Hintergründe der Vergangenheit drohen nahezu ausgelöscht zu werden.

 

Viron Erol Vert – Power Play (2016)

Viron Erol Vert – Der Chronist oder Hofhistoriker

Viron Erol Vert wurde 1975 geboren und ist somit der älteste aller Teilnehmer. Er lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul. Sein multikultureller Hintergrund ist einer der Gründe, der ihn dazu brachte, Identität und Affinität – die die zentralen Themen seiner Werke sind – zu hinterfragen.

Viron Erol Vert arbeitet wie ein Alchimist. Er sammelt Abbildungen, spannende Geschichten und Charaktere, die ihn inspiriert haben und setzt sie im Licht seiner eigenen Phantasie wieder zusammen. […] So wie jeder gute Märchenerzähler glaubt er fest an seine eigenen Geschichten. Man könnte fast sagen, er dokumentiert seine eigene Epoche wie ein Vakanüvis.“

(Misal Adnan Yildiz, Who is Viron Erol Vert?, 7 Perde / 7 Curtains, Ausstellungskatalog, Galerist, Istanbul 2012)

 

Auch in der Vergangenheit kann man auf bekannte Namen zurückblicken, die damals als Stipendiaten in Florenz gewohnt haben. So zählten Käthe Kollwitz und Max Beckmann (1906) zu den Auserwählten, Emy Roeder (1936) sowie nach den Kriegen der Heppenheimer Horst Antes (1962), Georg Baselitz (1965), Markus Lüpertz (1970) und Katharina Grosse (1992).

Wir sind gespannt, wie sich die ausgesuchten Künstler 2018 weiterentwickeln werden und werden selbstverständlich darüber berichten.

 

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